Fachkliniken Wangen
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WIR SIND DABEI

Pflege im Fokus

Wangen - Die Fachkräftesicherung im Pflegebereich gehört zu den großen gesellschaftspolitischen Herausforderungen in Deutschland. Im Rahmen der Kommunalen Pflegekonferenz des Landkreises Ravensburg und in Kooperation mit der regionalen Fachkräfteallianz Bodensee Oberschwaben wurde die Woche „Pflege im Fokus“ initiiert. Ziel ist es, den Pflegeberuf in seiner Vielfältigkeit und Attraktivität darzustellen, sowie die unterschiedlichen Zugangs- und Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen.  
Hierzu finden, verteilt im ganzen Landkreis, unterschiedlichste Veranstaltungen statt. Begleitet wird die Aktionswoche von einer umfangreichen Informationskampagne in den sozialen Netzwerken. Die Fachkliniken Wangen und die Pflegeschule Wangen stehen am Mittwoch auf dem Wochenmarkt mit einem Aktionsstand.  
  
Darüber berichtet die Schwaebische Zeitung.  
  
Die Gesellschaft altert, die Pflegequote ist in Deutschland seit 2003 von 2,5 auf 5 Prozent angestiegen. Damit sind aktuell 4,1 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, 2060 werden es wohl 6,2 Millionen sein. Zwar steigt seit Jahren auch die Anzahl an Pflegefachkräften, aber nicht im gleichen Tempo wie der Bedarf. 2030 werden laut Pflegereport der Bertelsmann Stiftung deutschlandweit 500 000 Vollzeitstellen in der Pflege fehlen.  
  
Stationäre Einrichtungen haben nicht genug Plätze, ambulante Dienste müssen Anfragen ablehnen - das ist jetzt schon Realität im Landkreis Ravensburg. Die Kreisverwaltung sitzt den Mangel aber nicht aus, sondern handelt - unter anderem mit dem Start der Themenwoche „Pflege im Fokus“. Und auch zwei junge Frauen aus der Pflege sind nicht tatenlos. Sie zeigen auf, dass die Vorstellung vom Pflegeberuf nur wenig mit der Realität zu tun hat.  
  
 

Landrat Sievers ist Schirmherr

 
Zum Hintergrund: Ende vergangenen Jahres gründete das Dezernat für Arbeit und Soziales im Landratsamt die kommunale Pflegekonferenz. Ein Gremium, in dem sich regelmäßig 45 Mitglieder aus sozialen Trägern, Pflegekassen, Politik und Krankenhäusern treffen. Ein Ergebnis der Pflegekonferenz ist die Imagekampagne „Pflege im Fokus“. Neben der Auftaktveranstaltung in der Ravensburger Zehntscheuer am Montagabend finden in dieser Woche im ganzen Landkreis Aktionen statt. Beispielsweise Führungen durch Einrichtungen, Vorträge von Pflegenden oder Bewerber-Abende.  
  
Auf der Auftaktveranstaltung sprachen neben Landes-Gesundheitsminister Manne Lucha und Landrat Harald Sievers auch zwei junge Frauen über ihre Pflegeberufe: Josepha Wild absolviert den praxisorientierten Studiengang Pflege an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Und Miriam Kluczny, sie macht eine Ausbildung zu Pflegefachkraft am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Ravensburg. Sie haben dem Krisen-Image rund um die Pflege etwas entgegenzusetzen.  
  
Die Berichterstattung über die Probleme sei natürlich wichtig, sagen beide, darin liege aber auch ein Problem. Bei vielen Menschen habe das eine falsche Vorstellung des Berufes hervorgerufen. „Wenn ich Leuten sage, was ich mache, heißt es dann meistens: ,Das könnte ich nicht´“, erzählt Miriam Kluczny. Es sei eine freundlich gemeinte Aussage, die jedoch zeige, welches furchtsame Bild die Menschen von der Pflege hätten. „Sie denken, dass wir unsere Körper kaputt schuften. Pflegebedürftige nur waschen und Ärsche abputzen“, sagt die 20-jährige Kluczny. Klar gebe es einzelne Stationen oder einzelne Tage, an denen der Job wirklich stressig sei, sagt die 25-jährige Josepha Wild. Es sei jedoch nicht nur der schlimme Knochenjob - „es gibt auch ruhigere Tage“.  
  
 

Überlastung leider häufig

 
Und auch rund um die Bezahlung würde es falsche Vorstellungen in der Öffentlichkeit geben. Josepha Wild bekommt während ihres ausbildungsintegrierten Bachelors eine Vergütung ihres Arbeitgebers und einen Studienzuschlag. Auch Kluczny ist mit ihrem Ausbildungsgehalt zufrieden: „Ich bekomme überdurchschnittlich viel. Das ist aber auch gerechtfertigt, weil wir viel Verantwortung haben.“ Wild und Kluczny würden sich wünschen, dass mehr Menschen die vielfältigen Berufe positiver wahrnehmen - anspruchsvoll, medizinisch und nah am Menschen. „Nicht die Ärzte, sondern wir sind für die Patienten die wichtigsten Ansprechpartner“, sagt Kluczny. Es sei ein Beruf voller Emotionen, ergänzt Wild. „Das heißt nicht, dass alles nur traurig ist. Es gibt auch Freude im Leben mit Erkrankungen und viel Humor.“  
  
Dennoch: Viele Kolleginnen und Kollegen in der Pflege sind ausgelaugt, sie schrauben ihre Stunden herunter oder geben ihren Job komplett auf. Wie viele das sind, zeigt eine Zahl der aktuellen Studie „Ich pflege wieder, wenn…“. Demnach könnten rund 300 000 Vollzeitkräfte für die Pflege in Deutschland gewonnen werden - nur dadurch, dass Fachkräfte ihre Stunden wieder aufstocken oder in den Berufs zurückkehren.  
  
Die Zukunftsaussichten beschäftigen auch die zwei Nachwuchs-Pflegefachkräfte. Selbst wenn die Aufbruchstimmung der Politik und des Landkreises etwas bewirken sollte, sagt Miriam Kluczny - es wird wohl nicht reichen, um den Herausforderungen des demografischen Wandels entschieden entgegenzuwirken.  
  
 

Dank Pandemie liegt der Fokus auf der Pflege

 
Bessere Arbeitsbedingungen und mehr Arbeitskräfte nennen auch Kluczny und Wild als Lösungen und gehen ins Detail: Die Akademisierung der Berufe müsse vorangetrieben werden, um mehr Menschen mit Wunsch zum Studienabschluss in die Branche zu holen. Gleichzeitig müssen Ausbildungsberufe in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert bekommen. „Oft höre ich, es ist ja ,nur´ eine Ausbildung“, sagt Kluczny enttäuscht. Und drittens sollte es, ähnlich wie in der Industrie, mehr Wochenend- oder Ferienjobs für Schüler und Studenten geben. Durch diese Berührungspunkte würden sich womöglich mehr junge Menschen für die Pflege entscheiden, so Kluczny.  
  
Sie hätten den Eindruck, das Interesse an den Berufen in ihrer Altersgruppe bereits anzieht, sagen Kluczny und Wild. „Da kann man der Pandemie auch ein bisschen dankbar sein“, sagt Josepha Wild. Einen positiven Trend könne man aber noch lange nicht festhalten. Jetzt müsse erst einmal weiter das falsche Image des Berufes umgedeutet werden.  
  
Hier finden Sie weitere Infos
  
  
https://www.rv.de/site/LRA_RV_Responsive/node/19947476?QUERYSTRING=pflege%20im%20fokus  
  
 
Veröffentlicht am: 12.10.2022  /  News-Bereich: News aus den Fachkliniken
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