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ÜBERGEWICHT BEI KINDERN ALS GESUNDHEITSRISIKO

Adipositas - Wie sich die Krankheit bei jungen Menschen auswirkt und ob die Jugend wirklich immer dicker wird

Wangen - Übergewichtige Kinder werden auch dicke Erwachsene - so lautet eine der wichtigsten Faustregeln, wenn es um Adipositas in jungen Jahren geht. Denn während dieser Zeit bringt die chronische Krankheit zunächst wenige körperliche Symptome mit sich. "Deswegen ist die Behandlung bei Kindern eigentlich eine riesengroße Präventions-Anstrengung", sagt Oberärztin Nadine Keisoglou von der Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche der Waldburg-Zeil Fachkliniken Wangen. Denn Vorboten für spätere Leiden wie erhöhte Blutzucker- oder Cholesterinwerte seien durchaus zu beobachten. Operiert werden Kinder dagegen äußerst selten.  
 
Nadine Keisoglou
Oberärztin
Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche

Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie
und –psychotherapie
nadine.keisoglou@wz-kliniken.de
  
  
Dabei spricht Keisoglou direkt ein Vorurteil an, das immer wieder zu hören ist: Die Jugend werde angeblich immer dicker. Tatsächlich ist es nach ihren Worten so, dass der Anteil an fettleibigen Kindern seit der Jahrtausendwende ein Plateau erreicht habe. Das heißt, dass ihre Zahl ab den 1970er- Jahren stark zunahm und sich nun zwei Jahrzehnte lang eingependelt hat, wenn auch auf hohem Niveau. "Das gilt für alle Industrienationen mit hohem Einkommen", sagt Keisoglou. Mädchen und Jungs sind gleichermaßen betroffen, am stärksten im Alter zwischen elf und 13 Jahren. Allerdings ist der Anteil übergewichtiger Kinder von Eltern mit weniger Bildung und Einkommen besonders hoch.  
  
Heute sind gut 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig. Knapp sechs Prozent haben Adipositas, leiden also unter krankhafter Fettleibigkeit. Keisoglou warnt jedoch: Zahlen, die festen Definitionen folgen, seien stets mit Vorsicht zu genießen. Denn weil Kinder und Jugendliche wachsen und sich verändern, basiert die Einteilung in Übergewicht, Adipositas und extremer Adipositas auf dem Vergleich zu ihrer Altersgruppe. Dabei stellt, wie bei Erwachsenen, der BMI-Wert (also das Verhältnis von Körpergröße zu Gewicht) die Grundlage dar. Jedoch verändern sich die Mittelwerte der jeweiligen Altersgruppen mit der Zeit, was auch die Definition von Übergewicht verschiebt.   
  
In jungen Jahren nehmen die psychischen Faktoren sowohl beim Leidensdruck der Krankheit als auch in der Therapie eine große Rolle ein. Vor allem sehen sich übergewichtige Kinder einem höheren Risiko gegenüber, gemobbt zu werden. Das und die fehlende Bewegung, was häufig auch Freundschaften und anderen sozialen Kontakten schadet, können die Lebensqualität stark einschränken. In der Folge kann ein Teufelskreis entstehen, mit noch mehr Medienkonsum, dadurch noch weniger Sport und frischer Luft sowie noch stärkerem sozialen Rückzug und Essen aus Frust und Langeweile.   
  
Auf der anderen Seite liegen in der Psyche motivierende Ansätze dafür, eine Therapie durchzuziehen und, mindestens ebenso wichtig, die erzielten Erfolge zu halten. "Die Behandlung ist eine langfristige Angelegenheit", sagt Keisoglou. Idealerweise bestehe sie aus vier bis acht Wochen stationärer Behandlung beziehungsweise Rehabilitation mit ambulanter Vorbereitung und einem Nachsorge-Programm. Denn bei mehrwöchigen Aufenthalten wie in der Waldburg-Zeil Fachkliniken  lassen sich meist recht große Erfolge erzielen. Wichtig sei aber, das Verhalten im Alltag zu verändern und Gelerntes zu verinnerlichen.   
  
Bei adipösen Kinder ist es laut Keisoglou wichtig, die Eltern ins Boot zu holen. Sie müssen das Krankheitsbild verstehen und wissen, was sie zuhause dagegen tun können. Dabei ist für die Oberärztin die sogenannte multimodale Therapie am effektivsten. Dabei schulen sie und ein Team verschiedener Spezialisten Eltern und Kinder in verschiedenen Bereichen: Ernährung, Bewegung, Einkaufen sowie im Verhalten. Zu letzterem gehört etwa, Kinder weniger mit Süßigkeiten zu belohnen und sie dafür eher zu loben, wenn sie gesund essen. 
Knackpunkt ist oft die Psyche
 
"Je älter die Jugendlichen werden, desto geringer wird die Wertigkeit dessen, was die Eltern sagen", erläutert Keisoglou. Dann wird es noch wichtiger, an ihre eigene Motivation zu appellieren. Wer etwas gegen sein Übergewicht tut, ist fitter, gehört durch Sport auch schneller wieder zu den "Coolen" und hat bessere Chancen bei der allgegenwärtigen Balz während der Pubertät. Helfen kann dabei, stets einen Ersatz für ungesundes Verhalten zu finden: Reiswaffel statt Schokoriegel oder raus statt fernsehen beispielsweise. Dabei sollen die genannten langfristigen Belohnungen mehr Nutzen bringen als die kurzfristigen, wie etwa guter Geschmack oder Stressreduktion. 
 
Wichtig sei außerdem, bei der Ernährung nicht zu verbieten. Vielmehr geht es darum, seine Mahlzeiten richtig zusammenzusetzten. Je einfacher die Regeln, desto eher gelingt die Umsetzung: Beispi9ele hierfür sind die Ampelsysteme oder die die Aufteilung auf dem Teller: Ein Speiseteller sollte zum Beispiel zur Hälfte aus Salat und zu je einem Viertel aus Proteinen und Kohlenhydraten bestehen. Süßigkeiten sind kein Tabu, sollten aber nur einmal am Tag auf dem Plan stehen.   
  
 
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Artikel Allgäuer Zeitung, Thema Adipositas, PDF-Version ca. 1 KB 
  
  
Artikel aus: Allgäuer Zeitung, Rubrik "Gesundheit", vom 31.12.2020, ein Bericht von Frank Eberhard. 
   
  
  
  
 
Veröffentlicht am: 12.01.2021  /  News-Bereich: News aus den Fachkliniken
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