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Flexirentengesetz: Reha-Leistung wird ausgebaut

Wangen - Zehntausende chronisch oder psychosomatisch kranke Kinder brauchen aus Sicht von 
Experten eigentlich eine Reha. Doch nur ein kleiner Teil von ihnen bekommt bislang auch 
einen Platz. Ein neues Gesetz soll dies ändern...
Ganz am Anfang kämpft Bella, die eigentlich anders heißt, gegen die Magersucht. Als eine Ärztin ihr erzählt, welche körperlichen Folgen die Krankheit haben kann, treibt die Angst davor die Jugendliche ins andere Extrem: Die 15-Jährige bekommt regelrechte "Fressanfälle", wie sie es nennt, und nimmt innerhalb weniger Monate fast 20 Kilo zu. "Ich fühle mich in meinem Körper nicht mehr wohl", sagt Bella, die am Binge-Eating-Syndrom leidet. In einer sechswöchigen Reha lernt die Jugendliche nun, sich wieder ein normales Essverhalten anzugewöhnen. Doch was passiert nach den sechs Wochen, wenn sie zurück muss in den Alltag?  
  
Ironischerweise könnte ausgerechnet ein Rentengesetz Bella bei der Suche nach langfristiger Unterstützung helfen: Das gerade in Kraft getretene Flexirentengesetz stärke im Abschnitt Rehabilitation die Kinder- und Jugendreha entscheidend, betont Alwin Baumann, Klinik- Direktor und Sprecher des Bündnisses Kinder- und Jugendreha. Durch das Gesetz würden diese Rehas über mindestens 4 Wochen zusammen mit der Nachsorge zur Pflichtleistung bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV).  
  
In der Folge werde es für Kinder leichter, überhaupt einen Platz zu bekommen. Außerdem sollen ambulante Nachsorge-Maßnahmen angeboten werden, die die Kinder zuhause in Anspruch nehmen könnten.  
  
Grundstein für Erwerbsbiografie wird im Kindesalter gelegt  
  
Gabriele Lösekrug-Möller MdB, Parlamentarische Staatssekretärin Bundesministerium für Arbeit uns Soziales (BMAS), und Dr. Martin Rosemann, Berichterstatter für Rentenpolitik der SPD-Bundestagsfraktion, haben sich für dieses Gesetz stark gemacht. Denn ihrer Ansicht nach werden die Chancen für eine positive Erwerbsbiografie bereits im Kindesalter gelegt.  
  
Der Bedarf an Reha-Maßnahmen im Kindes- und Jugendalter sei hoch, sagen die Experten. Nach einer Studie des Robert Koch-Instituts /RKI) haben etwa 16% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ein lang dauerndes, chronisches Gesundheitsproblem. Bei jedem fünften Kind zwischen 3 und 17 Jahren könnten zudem Hinweise auf psychische Störungen festgestellt werden. Hinzu kommen häufig Schulprobleme, die ebenfalls Gegenstand der Reha sind. Hier hat sich das Peer Tutoring, das Lernen in kleinen Gruppen mit individuellen Schwerpunkten bewährt, rät Stephan Prändl, Schulleiter der Heinrich-Brügger-Schule der Fachkliniken Wangen. Wichtig ist es, die Lust am Lernen zu wecken, Kompetenzen zu stärken und Bildungswege individuell zu gestalten.  
  
Allein im Südwesten würden pro Jahr rund 3.500 Rehas für Kinder und Jugendliche durchgeführt, sagt die Direktorin der DRV in Baden-Württemberg, Elisabeth Benöhr. Gestellt würden aber rund 4.400 Anträge - und die Zahl der Kinder, die Bedarf hätten, läge noch höher. In ganz Deutschland gebe es jährlich rund 37.000 bewilligte Reha-Maßnahmen, so die Leitende Ärztin der DRV Bund, Dr. Susanne Weinbrenner. Durch das Flexirentengesetz könnten die Anträge dafür noch einmal deutlich steigen.  
  
Nachsorge schafft die erforderliche Nachhaltigkeit  
  
Vor allem die Nachsorge sei ein wichtiger Punkt, sagt Klinik-Chefarzt Dr. Dirk Dammann. "Die Idee, dass wir in ein paar Wochen Reha alles abgehakt bekommen, stimmt nicht. Wir können nur die Weichen stellen und den Kindern beibringen, Chef für sich selbst zu werden." Auch Bella wünscht sich eine längere Begleitung. "Mir fehlt oft die Motivation zum Sport. Da wäre es schon gut, wenn mir jemand hilft."  
  
Ähnlich geht es der 14 Jahre alten Lilly, die unter anderem wegen Asthma und Neurodermitis in Wangen ist. "Ich will lernen, mehr Selbstbewusstsein zu bekommen, damit ich mich zu Hause nicht ausgeschlossen fühle, wenn ich nicht bei allem mitmachen kann." Auch sie wünscht sich eine Anlaufstelle zu Hause, nach der Reha: "Jemanden, zu dem man gehen kann, wenn man Fragen hat oder Hilfe braucht." Diese Nachsorge ist wichtig und muss, so betont Klinik-Chefarzt Dr. Thomas Spindler, individuell auf die am Heimatort bestehenden Angebote abgestimmt und durch den niedergelassenen Kinder- und Jugendarzt koordiniert werden.  
  
Das Flexirentengesetz bietet viele Chancen. Nun gilt es, resümiert Frau Lösekrug-Möller, dieses gute neue Gesetz mit Leben zu füllen und bestehende ambulante Angebote optimal zu vernetzen.  
  
 
Quelle: dpa, äin-red "Ganz neue Möglichkeiten und Perspektiven für die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen durch das Flexirentengesetz", Pressekonferenz & Tagung in den Waldburg-Zeil Kliniken in Wangen, Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche, am 3. Februar 2017
Veröffentlicht am: 28.02.2017  /  News-Bereich: News aus den Fachkliniken
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