Fachkliniken Wangen
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WEG MIT DER KIPPE!

Jugendliche erleben in Wangen während einer Bronchoskopie, welche Folgen Rauchen wirklich hat

Wangen - Sechs Mal im Jahr wäre die schöne Stadt Wangen mit rund 20.000 Einwohnern komplett ausgelöscht, rechnet Michael Ehmann von der Initiative „ohneKippe vor. Denn rund 120.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des Rauchens. 328 Menschen sind das etwa am Tag. 
Angesichts solcher Zahlen verstummen auch die letzten Hintergrundgespräche in der Aula der Heinrich-Brügger-Schule. Schulleiter Stephan Prändl und sein Stellvertreter Gerrit Mazarin vom Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum, hatte unter dem Motto „Besser ohne“ letzten Freitag rund 150 Schülerinnen und Schüler umliegender Schulen in die Fachkliniken Wangen, Lungenzentrum Süd-West, geladen.  
  
„Tagtäglich haben wir mit den Folgen des Rauchens zu kämpfen. Wenn keiner mehr rauchen würde, dann hätten wir hier nicht mehr viel zu tun“, sagt Chefarzt Dr. Philipp Meyn zur Begrüßung. Denn ein Großteil seiner Arbeit in der Klinik ist darauf zurückzuführen: Atembeschwerden, chronisch-obstruktive Bronchitis, Lungenemphysem oder Krebs.   
  
  
  

Nicht einfach mitqualmen

 
Man spüre ja lange nicht die negativen Auswirkungen von Nikotin und Teer – ein bisschen Husten, etwas Heiserkeit, mehr Schleim. Erst viel später träten Erkrankungen auf, die dann oft nicht mehr heilbar seien, so Meyn weiter. Jeder zweite Raucher stirbt vorzeitig an den Folgen seiner Sucht, ergänzt Michael Ehmann von der Thoraxklinik Heidelberg. Er gehört zum ohneKippe-Team jener Klinik, die das Konzept der Aufklärungsveranstaltung vor 18 Jahren zusammen mit Prof. Dr. Peter Drings entwickelt hat.   
  
Inzwischen sitzen jährlich rund 10.000 junge Menschen in Veranstaltungen wie dieser hier in Wangen. Viele kennen Raucher, manche rauchen selbst – doch es geht Ehmann nicht darum, Einzelne an den Pranger zu stellen. Das wichtigste sei, nicht einfach mitzuqualmen, so der Referent.Interaktiv und mit einer jugendlichen Flapsigkeit, die bei den Zuhörern tatsächlich ankommt, berichtet er von den Zusammenhängen und Konsequenzen des Zigarettenkonsums. Manchmal mit schwarzem Humor, oft auch mit drastischen Beispielen, räumt er mit falschen Einschätzungen auf.  
  
 

E-Shisha ist genauso gefährlich

 
Jugendliche seien bei der klassischen Zigarette inzwischen vorsichtiger geworden. Das hätten auch die großen Tabakkonzerne bemerkt. Sie suchen nun neue Vertriebswege, die bekömmlicher klingen. Doch die Wasserpfeife zum Beispiel sei keineswegs harmlos. Es passe viel mehr Tabak und damit Wirkstoff in eine Shisha, man konsumiere länger und würde letztlich ebenso nikotinabhängig. Selbst bei einem Lifestyleprodukt wie der E-Shisha – früher E-Zigarette oder Verdampfer - müsse man genauer hinschauen. Der Hinweis, dass die oft phantasievoll aromatisierten Produkte von Zigarettenfirmen hergestellt werden, lässt die Zuhörer aufhorchen.   
  
Denn sie wissen: Nikotin macht extrem schnell abhängig. In sieben Sekunden erreicht der Wirkstoff das Gehirn. Diese Abhängigkeit bleibt ein Leben lang – und sorgt dafür, dass viele Raucher unzählige Versuche aufzuhören wieder abgebrochen haben.   
  
 

In der Bronchoskopie live dabei

 
„In einer Lungenfachklinik wie den Waldburg-Zeil Fachkliniken Wangen lässt sich das Thema Karzinom nicht mehr so leicht beiseiteschieben“, ist die Beobachtung von Atmungstherapeutin Stefanie Schneider. Sie hat im Rahmen ihrer Ausbildung das erste Mal von den Initiativen „ohneKippe“ gehört und die Veranstaltung hier organisiert. Keiner der Zuhörer bleibt unbeteiligt, als Michael Ehmann per Video in die Abteilung für Bronchoskopie „schaltet“ – und alle gewissermaßen live mitverfolgen, wie der behandelnde Arzt Tumorgewebe in der Lunge entdeckt. „Das erleben wir hier jeden Tag“, berichtet Chefarzt Meyn den Jugendlichen. „Gerade habe ich eine Patientin aufgenommen, die gestern noch unbeschwerte Raucherin war und heute weiß, dass sie an Lungenkrebs sterben wird. Natürlich verschaffen wir ihr so viel Lebenszeit, wie wir können. Aber die Krankheit ist nicht heilbar.“  
  
Auch Erwin Priebe ist froh über die Lebenszeit, die ihm geschenkt wurde. Mit 13 startete er eine ganz gewöhnliche Raucherkarriere. Mit 41 war er heiser – und an Kehlkopfkrebs erkrankt. Absolut still ist es, als der kehlkopfoperierte Ex-Raucher berichtet. Nach dem Kehlkopfkrebs folgten Lungenmetastasen. Schlucken und Sprechen mit der sogenannten Speiseröhrenstimme musste er neu lernen. Nun unterstützt Priebe das ohneKippe-Team bei der Aufklärung von Heranwachsenden.  
  
Die Resonanz von Schülern und Lehrern auf den nachdenklich stimmenden Vormittag ist groß. Dr. Philipp Meyn, Stephanie Schneider und Michael Ehrmann sind sich sicher: Regelmäßig werden in Zukunft Schulen in das Lungenzentrum Süd-West nach Wangen kommen. Hier erleben sie ganz konkret, welche Folgen das Rauchen hat – und warum man besser gar nicht erst damit anfängt.   
  
Übrigens
 
Rauchen sei wie russisch Roulette mit drei Patronen im Trommelrevolver, sagt Ehmann vom Team „ohneKippe“ während einer Veranstaltung für Jugendliche an den Fachkliniken Wangen. Das gilt auch für E-Shishas und Wasserpfeifen.   
  
Über 600 Lungenkrebspatienten werden an den Waldburg-Zeil Fachkliniken Wangen jährlich operiert. Lungenspezialist Dr. Meyn würde lieber weniger Folgen des Rauchens behandeln müssen. Deshalb setzt das Lungenzentrum am Vogelherd schon bei Schülern und Jugendlichen auf Aufklärung – zusammen mit der Throraxklinik Heidelberg und dem Team von „ohneKippe“.   
  
Info „ohneKippe“
 
Seit Juni 2000 bietet die Thoraxklinik-Heidelberg gGmbH, Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, an einer Veranstaltung zur Raucherprävention teilzunehmen. Ziel der Veranstaltungen ist es, Kindern und Jugendlichen die Risiken und Folgen des Rauchens aufzuzeigen. Die Fachkliniken Wangen kooperieren mit der Heidelberger Klinik. 
 
Das speziell entwickelte Programm gliedert sich in folgende Abschnitte: 
  • Risiken des Tabakrauchens 
  • Live-Endoskopie 
  • Diskussion mit betroffenen Patienten 
  • Nachbereitung im Unterricht
 
Jährlich besuchen rund 10.000 Schülerinnen und Schüler Veranstaltungen in der Klinik. Begleitend gibt es eine App, E-Books, Broschüren zum Download, Homepages und Filme. Weitere Informationen unter www.ohnekippe.de sowie www.besserohne.com .  
  
Kontakt
  
  
Interesse an Veranstaltungen wie „ohne Kippe“?  
  
Gerrit Mazarin, stellvertretender Schulleiter SPBZ Heinrich-Brügger-Schuler, Fachkliniken Wangen 
gerrit.mazarin@wz-kliniken.de  
  
oder  
  
Stephanie Schneider, Fachkliniken Wangen 
stefanie.Schneider@wz-kliniken.de  
  
oder  
  
Michael Ehmann 
„ohneKippe“-Team 
michael.ehmann@med.uni-heidelberg.de 
     
  

Bronchoskopie

 
Die Bronchoskopie (Spiegelung der Bronchien) ist ein endoskopisches Verfahren zur Untersuchung und Behandlung des Tracheobronchialsystems und teilweise des angrenzenden Lungengewebes. Das Verfahren wird video-assistiert mit flexiblen oder starren Bronchoskopen durchgeführt.   
  
Während der Bronchoskopie können Gewebeproben für feingewebliche Untersuchungen entnommen werden. Solche Biopsien führt man auch transbronchial am Lungengewebe durch (transbronchiale Lungenbiopsie). Auch mittels Nadelaspiration kann Gewebematerial jenseits der Bronchialwand gewonnen werden. Sekret oder alveoläre Spülflüssigkeit (Lavage) wird für mikrobiologische und zytologische Analysen entnommen.   
  
Mit Hilfe der Bronchoskopie können auch eingreifende Behandlungen durchgeführt werden. So lassen sich zum Beispiel Stents in die Atemwege einbringen oder bei fortgeschrittenem Lungenemphysem Ventile implantieren.    
  
Veröffentlicht am: 22.10.2018  /  News-Bereich: News aus den Fachkliniken
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