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MEHR ZEIT GEWINNEN ZUM LEBEN

Interview mit Dr. Georg Pall zum Weltkrebstag am 04. Februar 2018

Lungenkrebs ist bei Männern die häufigste tumorbedingte Todesursache, bei Frauen inzwischen nach Brustkrebs die zweithäufigste. Die Therapiechancen für Patienten, die an dieser aggressiven Tumorkrankheit leiden, haben sich jedoch in den letzten Jahren stark verbessert. Neue Medikamente bieten selbst in fortgeschrittenen Stadien mehr Lebensqualität und eine längere Lebenserwartung. Klinik- und fachübergreifende Kooperationen helfen, Lungenkrebs schneller zu entdecken und optimal zu therapieren. Anlässlich des Weltkrebstages informiert Dr. Georg Pall, Leiter des Schwerpunkts Thorakale Onkologie der Klinik für Pneumologie an den Fachkliniken Wangen, über maßgeschneiderte ambulante Krebstherapie für Patienten mit Bronchialkarzinomen.

Dr. med. Georg Pall
Schwerpunkt: Thorakale Onkologie
Qualifikation: Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie
georg.pall@wz-kliniken.de
  
  
In den Fachzeitschriften werden die neuen Krebstherapien als revolutionär bezeichnet – ist das nicht ein bisschen übertrieben?  
Dr. Pall: Ich sehe diesen Begriff als durchaus gerechtfertigt. Wir befinden uns tatsächlich in einer Umbruchphase hin zu einer neuen Ära der medikamentösen Krebsbehandlung. Die klassische Chemotherapie wird mehr und mehr durch die Immuntherapie sowie die zielgerichtete Therapie ergänzt und zum Teil auch verdrängt. Das erweitert unsere Möglichkeiten wesentlich. Wir können zwei, drei oder mehr Therapielinien hintereinander nutzen und dem Patienten auf diese Weise wertvolle Lebenszeit verschaffen. Zudem sind die innovativen Medikamente auch verträglicher als die klassische Chemotherapie. 
 
Was muss sich der Patient unter Immuntherapie vorstellen? 
Dr. Pall:
Das körpereigene Immunsystem wird dabei mit Hilfe von Medikamenten in die Lage versetzt, intensiver als bisher gegen den Tumor aktiv zu werden. Vereinfacht gesagt, können Krebszellen den gegen sie gerichteten Angriff des Immunsystems unterdrücken, also quasi die Immunantwort „abschalten“. Wir wissen, dass Tumorzellen sich dafür bestimmter Eiweiße auf ihrer Oberfläche bedienen. Exakt diese Eiweiße wiederum werden nun durch die innovativen Immuntherapie-Medikamente inaktiviert und somit der Immunangriff am Leben erhalten. Können diese Eiweißstrukturen bei der pathologisch-mikroskopischen Untersuchung im Tumorgewebe eines Patienten nachgewiesen werden, so wirken derartige Medikamente besonders gut. Die entsprechenden Infusionen werden, je nach Präparat, im Abstand von zwei bis drei Wochen verabreicht. Als Vorteil gegenüber konventionellen Chemotherapien ist dabei neben einer besseren Verträglichkeit auch eine im Durchschnitt wesentlich längere Wirkdauer hervorzuheben.  
  
Und die zielgerichtete Therapie? 
Dr. Pall:
Um zielgerichtete Therapien einsetzen zu können, muss zuvor durch die Kollegen der Pathologie der Nachweis bestimmter genetischer Veränderungen im Tumorgewebe, die für das Wachstum der Tumorzellen essentiell sind, erbracht werden. In diesen, derzeit noch relativ seltenen, Fällen können dann Medikamente, die vom Patienten in Tablettenform eingenommen werden, ganz gezielt in den krankhaften Tumorstoffwechsel eingreifen und damit wachstumshemmend wirken. Insgesamt haben wir also heute deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung als noch vor einigen Jahren. Nun kommt es darauf an, für jeden Patienten die wirksamste Therapie auszuwählen.  
  
Welchen Stellenwert haben denn, in Anbetracht dieser Entwicklungen auf dem Gebiet der medikamentösen Tumortherapie, operative Verfahren? 
Dr. Pall:
Die Operation ist unverändert immer dann erste Wahl, wenn der Tumor auf die Lunge selbst beschränkt ist, oder eine nur limitierte lokale Streuung in die der Lunge benachbarten Lymphknotenstationen besteht. Durch das zertifizierte Zentrum für Thoraxchirurgie und die hohe pneumologisch-onkologische Expertise am Lungenzentrum Süd-West der Fachkliniken Wangen haben wir eine in dieser Hinsicht optimale Kombination von Spezialisten unter einem Dach. Deshalb bieten wir exzellente Therapievoraussetzungen für Lungenkrebspatienten. In unserer Tumorkonferenz kommen Experten aus der Region, also Onkologen, Pneumologen, Chirurgen, Radioonkologen, Radiologen und Pathologen, einmal pro Woche zusammen und erarbeiten für jeden Patienten die individuell am besten geeignete Therapie. Für den Betroffenen heißt das, dass er in der für ihn sehr schwierigen Zeit der Unsicherheit nach Diagnosestellung zeitnahe einen Behandlungsfahrplan erhält.. Das erleichtert ihm den Umgang mit der in der Regel schweren Diagnose.  
  
Warum kommen Patienten in die onkologische Tagesklinik? 
Dr. Pall:
Ziel unserer therapeutischen Bemühungen ist der Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität der uns anvertrauten Patienten. Dazu gehört natürlich auch eine Minimierung stationärer Klinikaufenthalte. Dank besserer Verträglichkeit und weniger aufwändiger Begleitmedikationen ist heute für viele Therapien eine ambulante Verabreichung möglich. Deshalb haben wir in enger Kooperation mit der onkologischen Schwerpunktpraxis Ravensburg/Wangen die onkologische Tagesklinik an den Fachkliniken etabliert. Für den Patienten ist dadurch vieles einfacher geworden. Wir begleiten ihn nun vom Zeitpunkt der Diagnose an während des gesamten Behandlungsverlaufs. Diese personelle Kontinuität gibt ihm Sicherheit und gewährleistet einen optimalen Informationsfluss hinsichtlich der medizinischen Fakten. Die enge räumliche und strukturelle Anbindung an das Lungenzentrum Südwest ist dabei auf Grund der zunehmenden interdisziplinären Komplexität der Therapiestrategien von großem Vorteil.  
  
 
Wir danken Herrn Dr. Pall herzlich für das Gespräch. 
Veröffentlicht am: 13.02.2018  /  News-Bereich: News aus den Fachkliniken
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