Fachkliniken Wangen
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"DAS ESSEN SCHMECKT NACH PAPPE"

Dr. Christoph Andritschky ist Intensivmediziner in den Walburg-Zeil Kliniken. Der Arzt hat bereits Corona-Patienten behandelt und weiß, wie die Krankheit verlaufen kann.

Wangen - Die Fachkliniken der Walburg-Zeil Kliniken in Wangen sind ein zertifiziertes Lungenzentrum. Sie halten für eine mögliche Infektionswelle, wie andere Krankenhäuser auch, Kapazitäten frei: 16 Intensivbetten stehen beispielsweise zur Verfügung. Bereits jetzt werden Corona-Infizierte behandelt. Dr. Christoph Andritschky (36) ist Internist und Intensivmediziner und mitverantworlich für den Corona-Bereich. Im Interview mit unserer Zeitung berichtet er davon, wie unterschiedlich die Krankheit verlaufen kann.  
Wie verläuft die Infektion, wenn der Patient nicht schwer betroffen ist? 
Dr. Christoph Andritschky: Bei leichten Verläufen der Krankheit klagen die Patienten hauptsächlich über Halsschmerzen, Fieber und einen trockenen Reizhusten. Nicht selten kommt es auch zu einem Verlust des Geschmacks- und Geruchsinns oder Magen-Darm-Beschwerden. Viele klagen, dass das Essen nach Pappe schmeckt. Manch ein Patient fühlt sich kaum beeinträchtigt und bemerkt die Erkrankung vielleicht gar nicht, andere wiederum schildern deutliche Symptome.  
  
Wie ergeht es Covid-19-Patienten, wenn die Krankheit schwer verläuft?  
Andritschky: Während die Erkrankung im Rachenbereich beginnt, kommt es typischerweise nach einigen Tagen zu einem Etagenwechsel mit Befall der Lunge. Die Patienten fallen durch hohes Fieber und Atemnot auf. Nicht selten haben sie Probleme ihren Sauerstoffbedarf zu decken. Solche Patienten muss man engmaschig an einem Monitor überwachen, damit wir bei einer weiteren Verschlechterung des Zustandes rasch reagieren können. Ob und welche Langzeitfolgen das Virus bei Erkrankten verursacht, kann zurzeit noch nicht gesagt werden. 
 
Wie untersuchen Sie die Patienten auf das Corona-Virus?  
Andritschky: Sobald der Verdacht besteht erfolgt ein Nasen-Rachen-Abstrich. Bestehen die Beschwerden schon seit mehreren Tagen und hat der Etagenwechsel in die Lunge bereits stattgefunden, kann der Rachenabstrich „falsch negativ“ ausfallen. Dann müssen Flüssigkeiten wie abgehusteter Schleim aus den tieferen Atemwegen analysiert werden um die Diagnose zu sichern. Zusätzlich greifen wir aber noch weitere Untersuchungen zurück.  
  
Welche Untersuchungen sind das? 
Andritschky: 
Neben  der Abfrage der klassischen Symptome und Vorerkrankungen sowie der körperlichen Begutachtung, stehen uns verschiedenste Laboruntersuchungen, Computertomographie oder Röntgenaufnahmen zur Verfügung. Diese Bilder geben uns rasch Auskunft ob und wie schwer die Lunge betroffen ist.   
  
Welche Werte sind bei der Laboruntersuchung wichtig?  
Andritschky: Neben der Bestimmung spezieller Laborwerte aus dem Blut - beispielweise Blutgerinnung -  führen wir mehrmals täglich sogenannte Blutgasanalysen durch, um den Sauerstoffgehalt im Blut zu überprüfen. Trotz all der maschinellen Hilfsmittel sind aber vor allem das Befinden des Patienten und Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung von entscheidender Bedeutung.  
  
Ab wann werden Patienten an eine Beatmungsmaschine angeschlossen? 
Andritschky: Wir müssen künstlich beatmen, wenn der Befall der Lunge derart schwer ist, dass trotz Gabe von Sauerstoff die eigene Atmung des Patienten nicht mehr ausreicht, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Bei einigen Patienten gelingt dies durch spezielle Masken oder Sauerstoffbrillen Bei anderen bleibt uns keine andere Wahl als die Beatmung vollständig über einen Beatmungsschlauch mit Hilfe eines Beatmungsgerätes zu übernehmen.   
  
Was bedeutet das, wenn ein Patient Vorerkrankungen hat?  
Andritschky: Naturgemäß haben ältere Patienten meist mehr Vorerkrankungen, aber auch junge Patienten können schon relevante Diagnose aufweisen. Nach derzeitigem Kenntnisstand neigen Patienten mit chronischen Erkrankungen des Herzkreislaufsystems und der Lunge, aber auch Personen mit Diabetes oder geschwächtem Immunsystem vermehrt zu schweren Verläufen. Wir profitieren hier immens von den Erfahrungen aus China und Italien. Das gibt uns einen Vorsprung und wir lernen jeden Tag dazu.   
  
Wie sind die Waldburg Zeil-Kliniken auf eine mögliche Welle vorbereitet?  
Andritschky: Wir sind eine Lungenfachklinik und haben in unserer Klinik das Rüstzeug für leichte aber auch schwere Fälle. Wie fast alle Kliniken in Deutschland haben wir unsere Bettenkapazität insbesondere im Intensivbereich aufgestockt. Schwere Lungenerkrankungen und Beatmung sind bei uns – unabhängig von Corona – an der Tagesordnung.  
  
 
Artikel aus: Allgäuer Zeitung, Montag, 27.04.2020, ein Interview von Felix Futschlik  
  
 
 
Veröffentlicht am: 28.04.2020  /  News-Bereich: News aus den Fachkliniken
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