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KONZEPTION
Rehabilitation bei Adipositas

Adipositas bei Kindern und Jugendlichen ist inzwischen eine zahlenmäßig bedeutsame Gesundheitsstörung. In Deutschland sind je nach Definition 10 bis 20 Prozent aller Schulkinder und Jugendlichen übergewichtig.

Wir sind davon überzeugt, dass Adipositas nicht nur eine Frage des Ess- und Bewegunsgverhaltens unserer Kinder und Jugendlichen ist, sondern dass psychosoziale Faktoren eine erhebliche Rolle spielen.

Deswegen möchten wir eine Änderung des Essverhaltens erreichen, eine gesunden Ernährungsweise aufbauen, die psychosozialer Aspekte berücksichtigen und die Bewegungsfreude fördern. Wir gehen von einem ganzheitlichen und milieutherapeutisches Behandlungskonzept aus.

Wir behandeln Kinder und Jugendliche mit Adipositas vom 2. bis zum 18. Lebensjahr. Bei Kleinkindern nehmen wir eine Begleitperson mit auf („Kind-Mutter-Rehabilitation“).


Ziele der Behandlung von Übergewicht und Adipositas

Übergeordnete Ziele unserer Adipositasbehandlung sind:

  • Steigerung der allgemeinen sozialen Kompetenz und des Selbstwertgefühls
  • Gewichtsabnahme
  • Übernahme einer gesunden Ernährungsweise
  • Vermittlung von Freude an Bewegung, Spiel und Sport
  • Übernahme altersgemäßer Eigenverantwortung
  • Stärkung familiärer Ressourcen im Umgang mit Adipositas
  • Transfer des Erlernten in den familiären Alltag


Das interdisziplinäre Konzept

Die Umsetzung der Rehabilitationsziele erfolgt in enger Zusammenarbeit von:

  • Kinderärzten
  • Kinderkrankenschwestern
  • Erziehern
  • Psychologen/Psychotherapeuten
  • Sportlehrern
  • Physiotherapeuten
  • Lehrern
  • Musiktherapeuten
  • Schulungsmitarbeitern
  • Ökotrophologen/Diätassistenten


Individuelle Ziele

Im Aufnahmegespräch definieren der Therapeut oder Arzt sowie ein(e) Betreuer(in) der jeweiligen Gruppe mit dem Kind bzw. Jugendlichen und seinen Eltern zusammen die individuellen Ziele der Rehabilitation. Zum Erreichen dieser Ziele ist es entscheidend, dass die Arbeit mit den Kindern bzw. Jugendlichen sowie deren Eltern zwischen den verschiedenen Behandlern möglichst klar abgestimmt ist. Dazu finden wöchentliche interdisziplinäre Teamsitzungen statt, in denen die Therapie grundlegend gesteuert und in manchen Fällen auch die ursprüngliche Zielsetzung korrigiert wird.


Ärztliche Leistungen

Im Rahmen des Aufnahmeverfahrens ergänzt der Arzt die allgemeine und krankheitsbezogene Anamnese. Nach einer körperlichen Untersuchung werden die medizinischen Rehabilitationsziele festgelegt. Ärztliche Visiten finden im Verlauf regelmäßig wöchentlich und zusätzlich bei Bedarf statt. Dabei werden ggf. weitere Untersuchungen angeordnet. In wöchentlichen Teambesprechungen werden die medizinisch relevanten Behandlungsaspekte mit den übrigen Therapien abgestimmt.


Psychotherapie

Psychotherapeutisch tätig sind Psychologen, eine Heilpädagogin und ein Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie. Durch die unterschiedlichen Ausbildungen der Psychotherapeuten ist ein breites Behandlungsspektrum gewährleistet, welches verhaltenstherapeutische, systemische, tiefenpsychologische, humanistisch-psychologische Aspekte und nonverbale Therapieverfahren (Musiktherapie) beinhaltet.

Das bevorzugte Therapiesetting ist das der Gruppentherapie (sowohl in der Kleingruppe und auch in der kompletten Gruppe). Familiengespräche erfolgen regelmäßig bei Aufnahme und Entlassung sowie bei Bedarf auch während der Behandlung. Wo es sinnvoll erscheint, werden auch einzeltherapeutische Angebote gemacht.


Unterbringung der Kinder

Kinder und Jugendliche mit der Diagnose Adipositas sind gemeinsam mit Patienten, welche in erster Linie andere Verhaltens- oder emotionale Auffälligkeiten zeigen, untergebracht, d.h. es wurde zugunsten der Integration bewusst auf eine Einrichtung einer „Spezialgruppe“ verzichtet. Die gleichaltrigen Jungen und Mädchen wohnen in einer von insgesamt sechs Gruppen zusammen. Die Kinder mit Begleitpersonen sind in einer eigenen Gruppe gemeinsam mit Mutter/Vater in einem Zimmer untergebracht.


Milieutherapie

Jede Gruppe wird im Rehabilitationsalltag von Mitarbeitern betreut, die aus pädagogischen und/oder pflegerischen Berufen kommen. Alle Mitarbeiter übernehmen überaus wichtige Aufgaben im Rahmen der psychosozialen Betreuung:
  • Lernen, „in Bewegung“ zu kommen
  • Strukturpläne und Behandlungsverträge
  • Einfordern von Verantwortlichkeiten
  • Konfliktgespräche und Tages-Reflexion
  • Auseinandersetzen mit dem Essverhalten
  • Gruppenaktivitäten und Freizeitgestaltung
  • Hilfestellung bei Schulschwierigkeiten
  • Übungen zur Körperwahrnehmung
  • Regelmäßiges Wiegen
  • Vorher- und Nachher-Foto

Die Gruppe ist die Verknüpfungsstelle zwischen den Kindern bzw. Jugendlichen (und Eltern) einerseits und den mit ihnen arbeitenden Mitarbeitern andererseits. Hier wohnen die Mädchen und Jungen, werden betreut, gehen von hier aus zu den verschiedenen Terminen. In den Gruppen laufen alle Informationen zusammen.


Diätetik

Von der Küche erhalten die Kinder und Jugendlichen eine gesunde, abwechslungsreiche und fettarme Ernährung („Optimierte Mischkost“). Neben den Basisgerichten (Voll- u. Reduktionskost: 1000–1500 kcal) wird der Speiseplan um Getreide- und Milchprodukte, Obst und Gemüse ergänzt.


Ernährungslehre und Nahrungszubereitung

In einer lebensmittelorientierten Schulung lernen die adipösen Schulkinder (und ggf. deren Begleitpersonen) und Jugendlichen, dass es auf die Auswahl und Menge der Lebensmittel ankommt, welche Bedeutung Fette, Zucker und Ballaststoffe für unseren Körper haben und welche Nahrungsmittel geeignet bzw. ungeeignet zum Abnehmen sind. Für die Ernährungsschulung werden die Patienten altersabhängig in Kleingruppen von sechs bis acht Patienten wöchentlich geschult. Außerdem erhalten Jugendliche ab 15 Jahren in unserer Lehrküche begleitend vier bis sechs Unterrichtseinheiten Nahrungszubereitung (Praxis: Zubereitung von Reduktionskost).


Adipositasschulung

Schulung ist ein integraler Bestandteil der Therapie. Die einzelnen Module der Schulung sind im Gesamtkonzept der Klinik verankert. Sie werden von den verschiedenen Bereichen bzw. von unterschiedlichen Berufsgruppen aufgegriffen (z.B. Informationen zu Adipositas, Sport, Ernährung, Nahrungszubereitung, Essverhalten, Arbeit in Kleingruppen etc.). Die Eltern werden zu Schulungen an einem Wochenende eingeladen.


Bewegungstherapie

Von der Bewegungstherapie werden sport- und physiotherapeutische Maßnahmen angeboten.

  • Schwimmen, Spiele im Wasser, Wassergymnastik
  • Große Sportspiele (Basketball, Fußball, Volleyball, Hockey)
  • Kleine Spiele
  • Dehn– und Kräftigungsübungen
  • Ausdauertraining (Lauf– und Fahrradergometertraining)
  • Trendsportarten (Inlineskating, Aerobic, Surfen, Kajak)
  • Trampolinturnen
  • Bei spezieller Indikation: Spezielle Testverfahren (KTK, TKT)
  • Psychomotorik nach Verordnung
  • Zusätzliche Schwimmkurse oder Schwimmtraining
  • Insbesondere für Patienten mit Haltungsschwächen werden spezielle Kräftigungsübungen angeboten.


Klinikschule

Schule ist Alltag für Kinder und Jugendliche und bei Adipositas von besonderer Bedeutung. Somit gehört regulärer Schulunterricht auch zum Bild einer alltagsnahen Rehabilitation. Die Heinrich-Brügger-Schule ist eine staatlich anerkannte Schule mit den Schularten Grund- und Hauptschule, Förderschule, Realschule, Gymnasium, Berufsschule, Berufsfachschule, Berufskolleg und berufliches Gymnasium. Der Unterricht durch 34 Lehrer und Erzieher für über 125 Schüler erfolgt in kleinen Klassen und orientiert sich an den Lehrplänen der Heimatschulen. Pro Woche erhalten die Kinder und Jugendlichen von Montag bis Freitag bis zu 24 Stunden Unterricht. Der Schule ist eine Sonderpädagogische Beratungsstelle angegliedert. Sie fördert die Kinder insbesondere im Vorschulalter und berät die Eltern. Bei Bedarf wird eine Schulleistungsdiagnostik durchgeführt. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.heinrich-bruegger-schule.de


Nachsorge

Der nachhaltige Erfolg einer Rehabilitation wird weiterhin erreicht durch eine Rehabilitation, die bereits während des stationären Aufenthaltes Maßnahmen einleitet und Verhalten einübt, die im häuslichen Alltag eine reelle Chance haben, weitergeführt zu werden. Die Kooperation mit den Eltern und Weiterbehandlern am Heimatort ist für eine effektive Nachsorge unverzichtbar und wird patientenbezogen u. a. durch folgende Maßnahmen gefördert werden:

  • Ausführliches Entlassgespräch mit dem Patienten und seinen Eltern
  • Ausführliche Entlassberichte
  • Telefonische Abstimmung mit den Behandlern am Heimatort
  • Vermittlung von Kontaktadressen/Ansprechpartnern (Ernährungsgruppe, Psychologische Beratung oder Psychotherapie etc.)





[ 11.11.2011 ]
Einer der 1.500 besten Ärzte Deutschlands kommt aus Wangen im Allgäu.
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