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KONZEPTION Rehabilitation bei Neurodermitis

Kinder und Jugendliche mit Neurodermitis und ihre Familie müssen die Krankheit als unverschuldetes Lebensschicksal annehmen. Sie müssen lernen, ihr Leben mit der Krankheit zu organisieren. Dann gelingt es auch, die Symptome in den Griff zu bekommen.
Bei der Rehabilitation geht es darum, Unterstützung aus fachlicher Sicht und langjähriger Erfahrung zu geben, damit die Patienten mit der chronischen Erkrankung besser leben können. Eingebettet in die einmalige Versorgungsstruktur der Fachkliniken Wangen, verfügen wir über Fachambulanz, ambulante Schulungen, stationäre Akutversorgung und Internat.
Wir behandeln Kinder und Jugendliche mit Neurodermitis vom 2. bis zum 18. Lebensjahr. Bei den jüngeren Kindern nehmen wir eine Begleitperson mit auf („Kind-Mutter-Rehabilitation“).
Indikation für eine Rehabilitation
Die Indikation zu einer stationären Rehabilitation bei Neurodermitis liegt vor, wenn die vielfältigen gesundheitlichen und psychosozialen Beeinträchtigungen, die die Erkrankung für die Kinder und Jugendlichen mit sich bringen kann, ambulant nicht mehr bewältigt werden können.
Einige Beispiele:
- Verminderte Lebensqualität, z.B. durch nächtliche Schlafstörung
- Quälender Juckreiz
- Mangelnde Besserung des Hautzustandes unter ambulanter Therapie
- Sozialer Rückzug wegen auffälliger Ekzeme
- Kindergarten- und Schulfehlzeiten
- Fehlende Therapiemitarbeit durch mangelndes Krankheitsverständnis
- Probleme bei der Krankheitsbewältigung und Therapiedurchführung
- Eltern-Kind-Interaktionsstörung bedingt durch die Krankheit
- Überprüfung von Auslassdiäten und des Ernährungsverhaltens
Ziele der Behandlung bei Neurodermitis
Das oberste Ziel der stationären Rehabilitation bei Neurodermitis ist für uns, einen besseren Umgang mit einer meist langwierigen oder chronischen Erkrankung zu vermitteln und die Lebensqualität der Patienten und ihrer Familien zu erhöhen. Dazu soll der Hautzustand durch stadiengerechte Salbentherapie und Körperpflege sowie angemessenen Umgang mit dem Juckreiz verbessert und gleichzeitig das Selbstmanagement gestärkt werden.
Eine adäquate Krankheitsverarbeitung gelingt nur, wenn die Patienten und ihr soziales Umfeld in die Behandlung eingewiesen werden und mitarbeiten. So ist in manchen Fällen, bei Vorschulkindern grundsätzlich, eine Mitaufnahme eines Elternteiles unerlässlich. Neben der Therapieüberprüfung und medizinischen Diagnostik sehen wir es als Hauptaufgabe an, in einem alltagsnahen Umfeld die Patienten und deren Familien im Umgang mit der Erkrankung so zu befähigen, dass sie die empfohlene Therapie zu Hause sicher umsetzen können.
Das interdisziplinäre Konzept
Die Umsetzung der Rehabilitationsziele erfolgt in enger Zusammenarbeit von:
- Kinderärzten
- Kinderkrankenschwestern
- Erziehern
- Psychologen/Psychotherapeuten
- Sportlehrern
- Physiotherapeuten
- Lehrern
- Neurodermitistrainern
- Ökotrophologen/Diätassistenten
Individuelle Ziele
Im Aufnahmegespräch definiert der Arzt mit dem Patienten und seinen Eltern die individuellen Ziele der Rehabilitation. Zum Erreichen der Ziele ist es wichtig, dass Diagnostik und Therapie transparent vermittelt werden können.
In regelmäßigen interdisziplinären Teamsitzungen findet eine Abstimmung unter den in die Behandlung involvierten Fachgruppen statt.
Ärztliche Leistungen
- Aufnahmegespräch mit dem Patient und seinen Eltern in Anwesenheit der Betreuer
- Fachärztliche Untersuchung
- Reha-Diagnostik nach individuellem Bedarf
- Anpassung der Körperpflege bzw. Salbenbehandlung
- Überprüfung bzw. Korrektur bisheriger Diäten
- Telefonische Rücksprache mit dem Haus- bzw. Kinderarzt
- Regelmäßige Visite
- Tägliche Bedarfssprechstunde
- Leitung des interdisziplinären Teams
- Abschlussgespräch mit den Eltern und telefonische Information von Haus- bzw. Kinderarzt
- Organisation nachstationärer Betreuungsmaßnahmen
- Ausführlicher ärztlicher Abschlussbericht
Pädagogische Betreuung
- Anleitung im Alltag (u.a. Körperpflege und Hygiene) und Strukturierung des Tagesablaufes
- Betreuung und gezielte Angebote für Kindergartenkinder, Schulkinder und Jugendliche
- Strukturierte soziale Kommunikation und Interaktion
- Milieutraining in der Großgruppe
- Erlebnispädagogik
- sinnvolle und anregende Freizeitgestaltung
- Hausaufgabenbetreuung und Unterstützung bei Schulschwierigkeiten
- Sport, Spiel und Bewegung in der Halle und im Freien
- Freiwilliges Werken unter Anleitung
- Gespräche mit Patienten und Eltern
- Hilfe bei Erziehungsfragen
- Im Kind-Mutter-Bereich: Werken, Sport, Entspannung für Begleitpersonen
Psychologische Betreuung
- Psychologische Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen
- Gesprächsrunden und Entspannungstraining für Eltern in der Kind-Mutter-Rehabilitation
- Ggf. Einzelgespräche mit Patienten und Eltern
- Krisenintervention
- Fachliche Beratung der betreuenden Mitarbeiter
Pflegerische Betreuung
- Unterstützung der Kinder im alltäglichen Umgang mit den medizinisch und therapeutisch notwendigen Anwendungen
- Anleitung beim Eincremen und Baden
- Alltagshilfen bei Juckreizattacken
- Hilfestellung beim Führen des Hautprotokolles
- Anleitung des Patienten/der Eltern in die Therapie
Diätetik
Bei individueller Indikation von Nahrungsmittelunverträglichkeiten/Allergien können seitens eines Ökotrophologen bzw. der Diätassistin in Zusammenarbeit mit den betreuenden Fachärzten folgende Leistungen in den Behandlungsplan aufgenommen werden:
- Allergenarme Suchkost
- Allergenfreie Kost
- Nahrungsmittelprovokation
- Ernährungsgespräch
Unsere Küche ist auf die Herstellung von Eliminationskost sowie einer anschließenden allergenfreien Kost eingestellt. Diese wird individuell auf ärztliche Anordnung und in enger Absprache mit dem Oecotrophologen bzw. der Diätassistentin und den betreuenden Eltern zusammengestellt. Nahrungsmittelprovokationen werden nach Bedarf vom behandelnden Arzt in Zusammenarbeit mit der Diätküche durchgeführt.
Bewegungstherapie
- Förderung des Gesundheitszustandes, der Hautdurchblutung und der motorischen Entwicklung
- Spiel und Spaß in der Gruppe erleben
- Förderung der Motivation, trotz Neurodermitis Sport zu treiben
- Große Sportspiele (Basketball, Fußball, Volleyball, Hockey)
- Kleine Spiele
- Schwimmen, Schwimmtraining und -kurse, Schwimmabzeichen
- Allgemeine Gymnastik, Aerobic, Trampolinspringen
- Ausdauertraining (Lauf– und Fahrradergometertraining), DLV-Walking- und Laufabzeichen
- Psychomotorik und besondere Testverfahren (KTK, TKT) nach Verordnung
Klinikschule
Schule ist Alltag für Kinder und Jugendliche und somit gehört regulärer Schulunterricht auch zum Bild einer alltagsnahen Rehabilitation. Die Heinrich-Brügger-Schule ist eine staatlich anerkannte Schule mit den Schularten Grund- und Hauptschule, Förderschule, Realschule, Gymnasium, Berufsschule, Berufsfachschule, Berufskolleg und berufliches Gymnasium. Der Unterricht durch 34 Lehrer und Erzieher für über 125 Schüler erfolgt in kleinen Klassen und orientiert sich an den Lehrplänen der Heimatschulen. Pro Woche erhalten die Kinder und Jugendlichen von Montag bis Freitag bis zu 24 Stunden Unterricht. Der Schule ist eine Sonderpädagogische Beratungsstelle angegliedert. Sie fördert die Kinder insbesondere im Vorschulalter und berät die Eltern. Bei Bedarf wird eine Schulleistungsdiagnostik durchgeführt. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.heinrich-bruegger-schule.de
Neurodermitisschulung „Dickhäuter“
Um mit Neurodermitis leben zu lernen, sind Information und Training unverzichtbare Bestandteile der Therapie. Information und Training werden in der Patientenschulung vermittelt. Hier erhalten die Patienten und möglichst auch deren Eltern ein Basiswissen über ihre Erkrankung und die Therapie. In einem dafür eingerichteten Schulungsraum werden die Inhalte von qualifizierten „Neurodermitistrainern“ und Mitarbeitern der verschiedenen Fachbereiche vermittelt.
Die Neurodermitisschulung „Dickhäuter“ wurde von uns selbst entwickelt und entspricht den Qualitätsrichtlinien der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft „Neurodermitisschulung e.V.“ (AGNES). Für jede Altersgruppe und für die Eltern kommen von uns verfasste Broschüren in den Schulungsstunden zum Einsatz.
Schulung der Kinder- und Jugendlichen
Jeder Neurodermitispatient erhält in den ersten Tagen seines Aufenthaltes eine erste Unterweisung und im Verlauf der Rehabilitation eine qualifizierte Schulung. Die Einteilung erfolgt alters- und entwicklungsentsprechend in eine der drei Neurodermitisgruppen Mini, Midi oder Maxi. Im Gruppenalltag, während des Freizeitprogramms, beim Sport und in der Schule werden die Inhalte der Schulung vertieft und altersentsprechend umgesetzt.
Schulung der Eltern
Die Einbindung der gesamten Familie ist von großer Bedeutung. Eltern, die ihr Kind während der ganzen Rehabilitation begleiten („Kind-Mutter-Rehabilitation“) werden im Laufe ihres Aufenthaltes kontinuierlich vom jeweiligen Fachpersonal geschult und unterstützt. Eltern, deren Kinder alleine zur Rehabilitation kommen, werden im Rahmen der Abschlussgespräche informiert.
Unterbringung der Kinder
Kinder und Jugendliche mit Neurodermitis sind in nach Alter getrennten Gruppen in Zwei- und Dreibettzimmern untergebracht. In der „Kind-Mutter-Rehabilitation“ können jüngere Kinder von einem Elternteil begleitet werden. Die Mitaufnahme von gesunden Geschwistern ist möglich.
Nachsorge
Während des Rehabilitationsaufenthaltes werden Maßnahmen und Verhalten eingeübt, die im häuslichen Alltag umsetzbar sind und weitergeführt werden sollten. Die Kooperation mit den Eltern und dem weiter behandelnden Arzt am Heimatort ist für eine effektive Nachsorge unverzichtbar und wird patientenbezogen u. a. durch folgende Maßnahmen gefördert:
- Ausführliches Entlassgespräch mit dem Patienten und seinen Eltern
- Ausführliche Entlassberichte
- Telefonische Abstimmung mit dem weiter behandelnden Arzt am Heimatort
- Vermittlung von Kontaktadressen/Ansprechpartnern (Ernährungsgruppe, Psychologische Beratung oder Psychotherapie etc.)
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